Die hier angepflanzten Apfelunterlagen waren bei Einweihung des Lehrpfades 1974 aktuell. Viele sind heute ohne Bedeutung, da sie sich nicht bewährt haben. Mittlerweile gibt es moderne Unterlagen, welche aber noch nicht den Einzug in den Lehrpfad geschafft haben. Unterlagen sind sozusagen der Unterbau von veredelten Obstbäumen und erfüllen bestimmte Vorgaben.
Bereits anfangs und in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden in vielen Ländern Untersuchungen zu schwachwachsenden Apfelbäumen, vor allem aber in England durchgeführt. Bis ungefähr in die 1950er-Jahre war bei uns der Hochstammanbau, heute bekannt als Streuobst, die dominierende Art, Obst professionell anzubauen.
An Unterlagen hatte man bis dahin hauptsächlich relativ einheitliche auftretende, aber starkwachsende Sämlinge bestimmter Sorten verwendet, die auch heute noch bei Streuobstbäumen verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise Sämlinge der Sorte Bittenfelder. Deren Nachteil ist allerdings, dass die Kombination dieser beiden Partner lange braucht, um in den Vollertrag zu kommen und die Bäume sehr groß und hoch werden können. Damit ist ein wirtschaftlicher Anbau unter heutigen Anforderungen des Marktes nicht möglich.
Die erfolgreichen Bestrebungen, sogenannte schwachwachsende Unterlagen zu bekommen, sorgten für einen Umbruch im professionellen Anbau. Die neuen Sorten-Unterlagen-Kombinationen hatten einschlägige Vorteile: Eine hohe Baumanzahl pro Flächeneinheit, früher Ertragsbeginn, klein bleibende Bäume, gut zu bewirtschaften, hoher Ertrag.
In der englischen Versuchsanstalt East Malling wurden viele Untersuchungen durchgeführt, um teilweise schon vorhandene kleinwüchsige Apfelauslesen zu sichten und auf ihre Eignung als Unterlage hin zu testen. Darüber hinaus wurden etliche neue Unterlagen gezüchtet. Aus East Malling sind die sogenannte M-Reihe und MM-Reihe bekannt. M9 ist eine der Standardunterlagen im Apfelanbau. Die MM-Reihe entstand in Zusammenarbeit mit einer Forschungseinrichtung in Merton. Sie ist für eine hohe Toleranz der Blutlaus gegenüber bekannt.
Es gibt noch andere Versuchsstationen oder Einrichtungen auf der ganzen Welt, die sich mit der gleichen Thematik der Unterlagenzüchtung und -auslese befassen: In Alnarp in Schweden, in Mitschurinsk in Russland, in Geneva in den USA und in Tschechien.
Vermehrt werden die speziellen Apfelunterlagen durch vegetative Methoden, also nicht durch Aussaat. Erhalten wurden manche sogenannten Typenunterlagen allerdings auch durch Aussaat. Sie sind genetisch nicht identisch, aber sehr einheitlich in ihrem Wuchsverhalten. Für die weitere Vermehrung beider Varianten (Typen und echte Klone) werden „Mutterpflanzen“ auf einem Feld eingepflanzt und spätestens im Winter stark zurückgeschnitten. Aus mehreren Knospen treiben im Frühjahr Neutriebe aus, die während des weiteren Wachstums immer wieder mit der umgebenden gelockerten Erde angehäufelt, also überdeckt werden, damit sich in diesem Bereich Wurzeln bilden. Im Herbst weisen die Neutriebe dann eine ganze Reihe neuer Wurzeln oberhalb des eigentlichen Wurzelhorizontes der Mutterpflanzen auf. Dann wird der aufgetragene Boden weggeblasen, die bewurzelten Neutriebe abgeschnitten und diese bis zum Einpflanzen im Frühjahr in Kühlhäusern feucht gelagert. Die Mutterpflanzen lassen sich so einige Jahre hintereinander immer wieder „beernten“.
Einzug in die Praxis und den Lehrpfad gefunden haben eine ganze Reihe der M oder MM-Unterlagen. Am Lehrpfad sind viele abgängig oder nicht mehr eindeutig zuzuordnen, weshalb die Ausschilderung vorerst unterbleibt. Nach Ergänzung und Etablierung des neuen Bestandes erfolgt die Beschilderung.
Des Weiteren sind am Lehrpfad die europäische Wildform des Apfels, der Holzapfel, sowie die Standardunterlage im Streuobstbau, der Bittenfelder Sämling, sowie weitere interessante Wildäpfel angepflanzt.